trust
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Zum Beispiel Victor. Mittwoch morgen rangelt er mit einem anderen Jungen und sitzt plötzlich weinend an der Wand, obwohl er sonst der Angreifer- und Siegertyp ist und manchmal ein recht durchtriebenes Grinsen aufsetzen kann. Weil er sich den Arm hält, rolle ich seinen Ärmel hoch und sehe zwei groschengroße offene Wunden, die außer nass auch entzündet aussehen und nun angefangen haben zu bluten. Dienstag bei meiner Rückkehr vom Workshop hatte ich den Verband um seinen Arm registriert.
Jetzt erfahre ich, dass er Montag davon erzählt hatte. Eine Verbrennung, mit Porridge. Wie heiß kann das Zeug denn sein!?? Ich versorge die Wunden nach bestem Wissen und Gewissen mit unseren Bordmitteln, fühle mich allerdings unwohl dabei. Am nächsten Tag sieht es schlimmer aus. Schwache Reaktion bei den Lehrerinnen. 2 h später frage ich schließlich die eine, was sie täte, wenn das ihr Kind wäre. – To the hospital!!! - - Ok, who’ll take him?? – Sonja will take him.
Victor kommt ohne Zögern mit mir mit, sitzt ruhig neben mir auf der Bank, wenn wir warten müssen, so ruhig wie er sonst nie sitzen kann, und spielt mit meinem Schlüsselband. Am nächsten Tag zum Verbandswechsel beginnt er während des Wartens, jeweils zwei Fransen meines Tuches ineinander zu verdrehen und mit einem Knoten zu fixieren. Nachdem so einige Doppelfransen entstanden sind und wir lachen, weil sie sich trotz Knoten wieder auftüdeln, beantwortet sich meine gespannte Frage: Er entknotet und enttüdelt alles wieder, ohne dass ich ein Wort gesagt hätte :)
Und das genau ist das Spannende. Wir sprechen so gut wie gar nicht und wenn, dann verstehe ich rein sprachlich nicht, was er sagt und umgekehrt. Was ich will, was er will, was wir sollen, wohin, ... ist trotzdem die ganze Zeit klar. Er vertraut mir, schmiegt sich an mich, wenn wir auf der Bank sitzen, beißt die Zähne zusammen, wenn die Wunde desinfiziert wird und strahlt mich zwischendurch an.
Zum Beispiel Victor. Mittwoch morgen rangelt er mit einem anderen Jungen und sitzt plötzlich weinend an der Wand, obwohl er sonst der Angreifer- und Siegertyp ist und manchmal ein recht durchtriebenes Grinsen aufsetzen kann. Weil er sich den Arm hält, rolle ich seinen Ärmel hoch und sehe zwei groschengroße offene Wunden, die außer nass auch entzündet aussehen und nun angefangen haben zu bluten. Dienstag bei meiner Rückkehr vom Workshop hatte ich den Verband um seinen Arm registriert.
Jetzt erfahre ich, dass er Montag davon erzählt hatte. Eine Verbrennung, mit Porridge. Wie heiß kann das Zeug denn sein!?? Ich versorge die Wunden nach bestem Wissen und Gewissen mit unseren Bordmitteln, fühle mich allerdings unwohl dabei. Am nächsten Tag sieht es schlimmer aus. Schwache Reaktion bei den Lehrerinnen. 2 h später frage ich schließlich die eine, was sie täte, wenn das ihr Kind wäre. – To the hospital!!! - - Ok, who’ll take him?? – Sonja will take him.
Victor kommt ohne Zögern mit mir mit, sitzt ruhig neben mir auf der Bank, wenn wir warten müssen, so ruhig wie er sonst nie sitzen kann, und spielt mit meinem Schlüsselband. Am nächsten Tag zum Verbandswechsel beginnt er während des Wartens, jeweils zwei Fransen meines Tuches ineinander zu verdrehen und mit einem Knoten zu fixieren. Nachdem so einige Doppelfransen entstanden sind und wir lachen, weil sie sich trotz Knoten wieder auftüdeln, beantwortet sich meine gespannte Frage: Er entknotet und enttüdelt alles wieder, ohne dass ich ein Wort gesagt hätte :)
Und das genau ist das Spannende. Wir sprechen so gut wie gar nicht und wenn, dann verstehe ich rein sprachlich nicht, was er sagt und umgekehrt. Was ich will, was er will, was wir sollen, wohin, ... ist trotzdem die ganze Zeit klar. Er vertraut mir, schmiegt sich an mich, wenn wir auf der Bank sitzen, beißt die Zähne zusammen, wenn die Wunde desinfiziert wird und strahlt mich zwischendurch an.

2 Comments:
At 7:21 PM,
Mutti said…
Liebe Sonja, wie gut, daß es Dich gibt und daß Du dort bist, wo Du helfen kannst. Auch nonverbal. Wir wünschen sehr, daß Viktors Wunden gut heilen und daß Dich "alles" nicht zu sehr mitnimmt, sondern Dein eigenes Vertrauen stärkt. Halt die Ohren steif. Liebe Grüße von Mutti und Papa.
At 9:07 PM,
annakwag said…
Oh doch,
das Zeug kann ziemlich heiß sein! Ich habe mich vor zwei Wochen auch sehr verbrannt... Zwar nicht mit Porridge, aber mit Kürbissuppe - Siedeverzug, AUA!!! War recht dickflüssig und ist einmal so richtig schön doll hochgespritzt auf meinen Arm -> Brandblase... Also richtig krass! Ist immer noch nicht ganz weg.
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Und es ist doch cool, wenn man sich so fast ohne Worte versteht, oder?!?
Liebe Grüße vom Rhein
/Kathi
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