happy new year
*
Urlaub kann einen auch in Afrika überfallen :) Der ganz überwiegende Teil des Jahres liegt jedoch noch vor uns und deshalb: ALLEN ALLES GUTE FÜR 2007!
Neben dem Urlaub ist eine weitere Erklärung für meine Schweigsamkeit sicher auch, dass ich beginne, hier so etwas wie ein Leben zu haben. Die Zahl der Kontakte ist nach wie vor übersichtlich, dafür vertiefen sich die vorhandenen. Dabei fällt mir der Wechsel zwischen den Welten zunehmend leichter.
new frontier
*
Mit meinem ersten Besuch aus D’land habe ich neue Wege befahren. Ich habe mich jetzt selbst überzeugen können, wie sehr Swakopmund einem deutschen Nordseebad ähnelt und auf dem Weg von Henties Bay zur Spitzkoppe habe ich begonnen nachzuvollziehen, warum Einheimische mit einer gewissen Verwunderung zur Kenntnis nehmen, dass Europäer meilenweit über gravel roads fahren, obwohl das Land viele Teerstraßen zu bieten hat. Ich werde allerdings weiterhin gegebenenfalls von den komfortablen Wegen abweichen um Neues zu erkunden ;)
christmas in africa
*
Adventsgottesdienst auf einer Farm im Hemd; Makronen bei 33° C; ein Schneemann als Straßenbeleuchtung, der verirrter nicht aussehen könnte; Stollen essen im Bikini am Pool; Weihnachts- und Sommerschnäppchen in einem Werbeatemzug; Muttchens Rumkugeln per Post, die Dank des doppelt dicken Schokoüberzugs im halbflüssigen Aggregatzustand aneinander angedockt haben, dabei jedoch vergleichsweise stabil in ihrer Form geblieben sind. Wunderbare Weihnachten.
mine
*
Fehlt nur noch mein eigenes Nummernschild!
N 153 OK
travelling
*
Taxifahrt nach Otjiwarongo. Wie an der service station verabredet, kommt das Taxi mich in Pamue abholen, als es voll ist. Am Ausgang Pamue wartet allerdings noch ein Mann, der ohne Umschweife in den Kofferraum des Golfs – die Hutablage fehlte – steigt und es sich mit meiner Tasche als Kopfkissen gemütlich macht. Als er da hinten anfängt zu rauchen, protestieren die anderen Mitfahrer denn doch. Immerhin ...
Dieses Abenteuer steigerte meine Vorfreude auf das eigene Auto, mit dem ich gestern hierher nach OKK gefahren bin.
reports
*
Da sitze ich in Afrika und drucke so eine Art Zeugnisse aus :) Das fühlte sich schon seltsam an. Allerdings habe ich sie selbst entworfen und wir geben unsere den Kindern in einem Umschlag mit, damit die Wahrscheinlichkeit, dass wir sie auf dem Heimweg irgendwo durch den Busch flattern sehen, verringert wird. Und diese Umschläge habe ich aus ComputerEndlosPapier gefaltet, an den Seiten zusammengetuckert, die Lehrerin hat die Umschläge beschriftet und die “report form” eingetütet, die Köchin das Ganze mit Tesa zugeklebt.
trust
*
Zum Beispiel Victor. Mittwoch morgen rangelt er mit einem anderen Jungen und sitzt plötzlich weinend an der Wand, obwohl er sonst der Angreifer- und Siegertyp ist und manchmal ein recht durchtriebenes Grinsen aufsetzen kann. Weil er sich den Arm hält, rolle ich seinen Ärmel hoch und sehe zwei groschengroße offene Wunden, die außer nass auch entzündet aussehen und nun angefangen haben zu bluten. Dienstag bei meiner Rückkehr vom Workshop hatte ich den Verband um seinen Arm registriert.
Jetzt erfahre ich, dass er Montag davon erzählt hatte. Eine Verbrennung, mit Porridge. Wie heiß kann das Zeug denn sein!?? Ich versorge die Wunden nach bestem Wissen und Gewissen mit unseren Bordmitteln, fühle mich allerdings unwohl dabei. Am nächsten Tag sieht es schlimmer aus. Schwache Reaktion bei den Lehrerinnen. 2 h später frage ich schließlich die eine, was sie täte, wenn das ihr Kind wäre. – To the hospital!!! - - Ok, who’ll take him?? – Sonja will take him.
Victor kommt ohne Zögern mit mir mit, sitzt ruhig neben mir auf der Bank, wenn wir warten müssen, so ruhig wie er sonst nie sitzen kann, und spielt mit meinem Schlüsselband. Am nächsten Tag zum Verbandswechsel beginnt er während des Wartens, jeweils zwei Fransen meines Tuches ineinander zu verdrehen und mit einem Knoten zu fixieren. Nachdem so einige Doppelfransen entstanden sind und wir lachen, weil sie sich trotz Knoten wieder auftüdeln, beantwortet sich meine gespannte Frage: Er entknotet und enttüdelt alles wieder, ohne dass ich ein Wort gesagt hätte :)
Und das genau ist das Spannende. Wir sprechen so gut wie gar nicht und wenn, dann verstehe ich rein sprachlich nicht, was er sagt und umgekehrt. Was ich will, was er will, was wir sollen, wohin, ... ist trotzdem die ganze Zeit klar. Er vertraut mir, schmiegt sich an mich, wenn wir auf der Bank sitzen, beißt die Zähne zusammen, wenn die Wunde desinfiziert wird und strahlt mich zwischendurch an.
children & grown-ups
*
Die Schwestern und Ärzte sprechen mich an, fragen mich, was mit dem Jungen ist, ob er Schmerzen hat, wie lange er die Verbrennung hat. Zwar sieht Victor aus wie 6 obwohl er 9einhalb ist, aber auch mit 6 kann ein Kind solche Fragen selbst besser beantworten. Vorwarnungen oder ein aufmunterndes Lächeln vor der Injektion oder der im Zweifel fieseren Desinfektion gibt es nicht.
Als wir zum Verbandswechsel zum dressing room kommen, steht dort die Tür offen und der Raum ist leer. Davor auf der Bank sitzt eine junge Frau und wartet bereits. Wir setzen uns dazu und warten auch. Nichts geschieht, doch habe ich Warten in den vergangenen Monaten ganz gut trainiert. Außerdem will ich um keinen Preis europäische Ungeduld zeigen ;)
Die junge Frau neben mir hat anscheinend Schmerzen, aus der Ferne sind Stimmen zu hören. Als ich sie schließlich frage, ob sie schon jemanden gesehen habe, antwortet sie, da liefen immer nur Schwestern vorbei. Als ich im Begriff bin, mich doch mal auf die Suche zu machen, kommt eine Schwester vorbei, sagt freundlich Hello und will ihres Weges gehen. Ich frage, ob der Raum besetzt sei. - Ja. Wo die Person sei. - Da hinten. Ob sie beschäftigt sei. - Nein. Und dann ruft sie schließlich. Ein Pfleger kommt und es geht was.
out of OKK
*
Workshop in einem Conference Centre nahe WDH. Jetzt bin ich facilitator für das life skills-Programm “Window of Hope” für Kinder und Jugendliche von 9 bis 14 Jahren. Ich habe viele nette und zum Teil wirklich motivierte junge schwarze Namibier aus allen Himmelsrichtungen kennengelernt und auch eine Holländerin und eine Amerikanerin, mit denen sich vermutlich Freund sein lässt.
Der größte Genuss war jedoch immer wieder die Aussicht ...
time's mystery again
*
Wir leben weiter parallel, unsere Uhren gehen anders. Die Synchronizität ist scheinbar aufgehoben. Ein bisschen ist es wie mit DM, mit €uro, mit Nam$ ... Jetzt heißt es wieder umrechnen. Und damit alle das klarkriegen: Namibia ist eine Stunde voraus ;)
gala
*
Yesterday the Okakarara Trade Fair Society was officially born. Me, I was invited to the Gala Dinner. - Gala Dinner und Okakarara passen nur mit viel Vorstellungsvermögen zusammen. Mal sehen, wie weit es trägt.